Freitag, 27. Juli 2018

Distelböcke in Südfrankreich

In diesem Jahr konnte ich gleich drei für mich neue Distelbock-Arten in Südfrankreich entdecken. Die Distelböcke sind eine mindestens 25 Arten umfassende Gruppe, die systematisch mehr oder weniger schwierig in eine oder mehr Gattungen aufgeteilt wird. In Deutschland ist nur eine Art verbreitet anzutreffen, der Distelbock oder auch Nesselbock (Agapanthia villosoviridescens) entwickelt sich in den Stengeln einer Vielzahl von Distelarten aber auch in anderen krautigen Pflanzen. 
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/3.5, 1/10s, ISO400
Eine der In Südfrankreich gefundenen Arten kann man auch in wärme begünstigten Gegenden Deutschlands finden, den Kleinen Distelbock (Agapanthia cardui). Er zeichnet sich durch einen weißen Nahtstrich auf den Flügeldecken aus und entwickelt sich in verschiedenen Distelarten. 
Die anderen beiden gefundenen Arten kann man in Deutschland momentan nicht finden. Auch wenn es ältere Fundmeldungen gab. Der eine wird Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli) genannt, weil er in Russland in Sonnenblumen schädlich werden kann. Er ist dem heimischen Distelbock recht ähnlich und entwickelt sich in vielen verschiedenen Pflanzenarten. Ich fand ihn ebenso wie den Kleinen Distelbock auf verschiedenen Distelarten.
Der dritte im Bunde entwickelt sich eher selten in (Ring)-disteln sondern ist an anderen Pflanzen zu finden. Ich fand den Violetten Distelbock (Agapanthia violacea) nur auf Roter Spornblume, dafür aber an vielen Stellen.
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/3.5, 1/400s, ISO800
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/100, ISO200
Die Distelböcke sind gute Beispiele für Arten die in der europäischen Kulturlandschaft gut zurecht kommen, es sind Arten die Pflanzen besiedeln die an Weg- oder Straßenrändern, an Böschungen oder Randstreifen zu finden sind und damit auch mal ein bisschen länger stehen bleiben, bevor sie gemäht werden. Im Zuge von Strukturverlusten in unserem Offenland durch Intensivierung, Ordnungssinn oder auch Flächenverbrauch sind es diese Arten die uns zusehends verloren gehen. 

Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/6.3, 1/4s, ISO400
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/5.6, 1/250s, ISO800
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/13, 1/10s, ISO800
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/4, 1/640s, ISO800
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/4, 1/20s, ISO200
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/80s, ISO800
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/30s, ISO200

Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/4, 1/20s, ISO400

Und zum Schluss gibt es noch ein kleines Video von der Szene, bei der auch das Bild ganz oben entstanden ist. Schön zu sehen, wie es sich der Kleine Distelbock schmecken lässt.


Mittwoch, 27. Juni 2018

Dryas octopetala...

...heißt die Weiße Silberwurz wissenschaftlich. Die Art gilt als biogeografisches Paradebeispiel für disjunkte (von einander getrennte) Vorkommen aufgrund von klimatischen Veränderungen. So war die Art in der Dryaszeit (daher auch der Name) in Europa sehr weit verbreitet. Nach der Kaltzeit wurden die Vorkommen in die höheren Lagen der Gebirge zurückgedrängt. Daher gilt die Art auch als Glazialrelikt. Also ein Überbleibsel der Kaltzeit.
Bewusst kannte ich die Art nur aus Büchern. Entweder war ich bisher immer später in den Alpen unterwegs oder mir fiel sie bisher in Natura nicht auf. Auch wenn die Samenstände kaum zu übersehen sind.
Die beiden Aufnahmen entstanden etwa am gleichen Standort. Die allermeisten Pflanzen waren bereits verblüht, einige wenige Nachzügler waren allerdings noch zu entdecken.

50mm, f2.2, 1/100s, ISO3200
150mm, f3.5, 1/500s, ISO100

150mm, f3.5, 1/160s, ISO100

Donnerstag, 26. Oktober 2017

der Alpenbock

Da es nun schon seit Monaten hier im Blog nichts Neues mehr zu sehen gab, wird es  langsam wieder Zeit ein paar neue Posts zu zeigen.
Die Pause durchbrechen soll ein Käfer und zwar ein überaus auffälliger. Im letzten Jahr gab es im Adventskalender bereits ein Bild hier im Blog zu sehen, nun folgt ein weiterer Schwung an Bildern. An einem schwül warmen Spätsommertag nach längerem Suchen und dank eines entscheidenden Tipps fanden Benjamin und ich einige dieser Käfer auf der Schwäbischen Alb.

Männliches Tier
150mm, f/9, 1/3s, ISO400
Es gibt wenige so leicht erkennbare Käfer wie den Alpenbock (Rosalia alpina), schließlich ist er bis zu vier cm groß und er ist hell blau. Die blaue scheinbar auffällige Behaarung bietet dem Alpenbock auf der Rinde seines Brutbaums der Buche aber eine erstaunlich gute Tarnung. 

Lithografie aus Reitter - Fauna Germanica (1908)
"Rosalia alpina samt Larve und Puppenwiege im Buchenholze"



Seinen Namen trägt die Art ein bisschen zu unrecht, zwar ist der Käfer in den Buchenwäldern in und um die Alpen zu finden, insgesamt jedoch deutlich weiter verbreitet. Von Spanien über Mitteleuropa bis zum Kaukasus. Bei uns ist die Art stark an Buche gebunden, es werden aber auch andere Laubbaumarten genutzt. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes erweitert sich das Spektrum an Brutbaumarten stark. In Deutschland ist er nur in den Alpen und dessen Vorland sowie an wenigen Stellen der Schwäbischen Alb zu finden. 

18mm, f/5.6, 1/320, ISO400

150mm, f/5, 1/40s, ISO400
Die Entwicklung findet in absterbendem oder frisch totem Starkholz statt. In Mitteleuropa stehen oder liegen die Stämme, in denen sich die Larven zwei bis vier Jahre entwickeln, thermisch günstig und meist gut besonnt. Damit sich die Tiere mehrere Generationen im gleichen Holz entwickeln können, muss es mindestens einen Durchmesser von 50cm haben. Der Käfer selbst lebt maximal sechs Wochen und tritt bei uns im Sommer auf. 

150mm, f/8, 1/125s, ISO1250

Verbreitung in der EU27

150mm, f/14, 1/25s, ISO1600
Die Entwicklung in Starktotholz macht die Art natürlich anfällig gegen intensive Waldbewirtschaftung. In genutzen Wäldern wird nur selten solch großdimensioniertes Totholz im Wald belassen. Zumal es bei teilweise sehr kurzen Umtriebszeiten überhaupt kein Holz über 50cm Durchmesser gibt. Die Bestände der Art sind im gesamten Verbreitungsgebiet rückläufig. Neben seiner Auffälligkeit, war das wohl einer der Beweggründe gewesen sein, diese Art EU-weit unter Schutz zu stellen. Maßnahmen zum Erhalt dieser Art sind somit notwenig, wichtig und schützen nicht nur diese Art, sondern auch eine riesige Lebensgemeinschaft von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Schleimpilzen mit. In Deutschland werden schon in verschiedenen FFH-Gebieten Erhaltungsmaßnahmen für diese Art durchgeführt.

150mm, f/3.2, 1/80s, ISO800
150mm, f/5.6, 1/60s, ISO800
150mm, f/11, 1/50s, ISO1600
150mm, f/4, 1/320s, ISO1600

Dienstag, 25. April 2017

bei den Bartgeiern

Mitte Februar machten sich Joachim, Lukas, Christian, Ralph, Jan und ich auf den Weg ins Wallis um dort am bekannten Gemmipass Bartgeier, Schneefinken und Alpenbraunellen zu fotografieren. Tatsächlich hatten wir Glück und an jedem der drei Tage Sichtungen der genannten Arten und noch weiterer Vogelarten wie u.a. auch Steinadler. Die Bedingungen waren an jedem Tag anders, so dass sich viele Möglichkeiten auftaten. Allein das Erlebnis wie ein Bartgeier 20m über einen drüber fliegt, ist beeindruckend und wird sicher noch eine ganze weile in unseren Köpfen bleiben.
Diesmal habe ich ein Sammelsurium an Bildern des Ausflugs zusammen in eine kleine Show gepackt. Am besten stellt ihr das Video auf Vollbild und achtet darauf, dass das Video rechts unten auf 1080p gestellt wurde. 

Mittwoch, 15. März 2017

defocused - richtig schön unscharf

Wenn man mit Fotografieren anfängt ist eines der ersten Attribute welches man an einem Bild analysiert die Schärfe. In quasi jedem Fotoforum wird eine knackige Schärfe als Qualitätsmerkmal herausgestellt, vorausgesetzt sie sitzt dort wo sie soll, nämlich auf dem Hauptmotiv. Wenn die Schärfe stimmt, stimmt die Qualität des Bildes mit hoher Wahrscheinlichkeit auch.
So fing ich auch an zu Fotografieren. Aber in den letzten Jahren stellte sich immer wieder für mich heraus, dass ein Bild nicht unbedingt die perfekte Schärfe besitzen muss, um wirklich gut zu sein! Vielleicht benötigt manches Bild gar keine Schärfe...Sondern reduziert sich auf ganz andere Attribute. In der Naturfotografie gibt es da ja den einen oder die andere, die regelmäßig mit diesen klassischen Konventionen brechen. Das Ergebnis sind Bilder die sich von der Masse abheben, die durch die Reduzierung auf weniger greifbare Bildmerkmale den Fokus des Betrachters auf ganz andere Art und Weise zu lenken vermögen. Andere Attribute treten viel stärker in den Vordergrund. Man kann schon von einem eigenen Bildstil sprechen, wenn bei einem Bild die Schärfe bewusst reduziert oder quasi ganz aus dem Bild genommen wird. Bewusst mit Konventionen brechen. 
Mitzieher - Bergfinken fliegen hinter Bäumen entlang
450mm, f/13, 1/30s, ISO800
Gelber Frauenschuh out of focus
150mm, f/2.8, 1/100s, ISO200
Alpenbock-Mitzieher
150mm, f/13, 1/30s, ISO800
Moos dreifach belichtet
150mm, f/2.8, 1/250s, ISO800

Schon fast klassisch wirken da Wischer, zum einen die Bewegungswischer die versuchen Bewegungen im Bild einzufrieren und somit in ein statisches Bild Dynamik bringen, die in einem einzelnen Bild sonst nicht möglich wäre. Aber auch Wischer entlang von Strukturen, die durch die längere Belichtung einen mehrfachen Wiederhall der fotografierten Form auf das Bild bringen. Einen mehrfachen Wiederhall produzieren natürlich auch Doppelbelichtungen, die eine Situation aus verschiedenen Perspektiven in einem Bild einfängt oder verschiedene Situationen gezielt mit einander vereint. Oder das Subjekt wird bewusst aus der Schärfeebene genommen, um sich mehr von der Form zu lösen. Oder man verwackelt ein Bild ganz bewusst. Oder, oder, oder... die Gestaltunsgmöglichkeiten sind breit und vielfältig. 
Weißdolch-Bläuling im Lebensraum
Mitzieher mit einem Kurzflügler (Staphylinus erythropterus)
Baumwischer
Diptam-Silhouette 
Wilde Tulpen Traum
300mm, f/4, 1/50s, ISO200
Aber natürlich ist alles graduell, nichts spricht gegen ein knackiges Bild aber eben auch nichts gegen ein unscharfes Bild und auch nichts gegen irgendwas dazwischen. In diesem Blogpost möchte ich ein paar Bilder dieser Kategorie aus meinem Archiv zeigen. 
Steinbock-Mitzieher
300mm, f/6.3, 1/10s, ISO50
Gelber Frauenschuh
225mm, f/2.8, 1/60s, ISO200
Birkenwischer
50mm, 1/12s, f/8, ISO50


Storch im Anflug auf den Horstbaum
300mm, f/4, 1/40s, ISO100

Sonntag, 26. Februar 2017

Coprophag...

...sind eine ganze Menge von Käferarten, die sich auf eine scheinbar überall verfügbare Ressource spezialisiert haben, um ihre Larven zu ernähren: Mist. Nicht nur die Familie der Mistkäfer und die echten Pillendreher benutzen den Kot anderer Tiere um den Nachwuchs durchzubringen, sondern auch viele andere näher oder auch weiter entfernt verwandte Käferarten nutzen sie. Die beiden erstgenannten Gruppen sind aber schon diejenigen, die diesen Rohstoff äußerst ausgefeilt nutzen. 
Einer der auffälligsten Vertreter in heimischen Gefilden ist ohne Frage der Stierkäfer (Typhaeus typhoeus), hier tragen die Männchen nämlich drei gerade nach vorn gerichtete Hörner, was bei einer Körpergröße von um die 2cm zwar eines genaueren Blickes bedarf, aber dann wirken die Tiere äußerst beeindruckend. Auch seine Biologie beeindruckt, schließlich gräbt der kleine Käfer bis zu 1,5m tiefe Gänge in den Boden und legt ein gutes Duzend Seitengänge an, um darin den eingesammelten Kot zu verwahren. Später graben sich die Larven in diese Gänge hinein und ernähren sich dann insbesondere von den Pilzen, die sich im Kot entwickeln. 
Umso mehr freute ich mich, als Silva diesen Käfer gestern auf einer Waldlichtung an einer Kaninchenlosung fand. Er war äußerst aktiv und so gelangen mir nur wenige ansprechende Aufnahmen. Nichtsdestotrotz war der Fund fantastisch, da mir die Art bisher nur in Büchern und in Sammlungen über den Weg gelaufen ist. 

150mm, f/7.1, 1/30s, ISO1250
150mm, f/4, 1/125s, ISO800
24mm, f/8, 1/125mm, ISO400
150mm, f/5, 1/125s, ISO1600
150mm, f/7.1, 1/40s, ISO1250
150mm, f/7.1, 1/40s, ISO1250

Donnerstag, 5. Januar 2017

frozen

In den letzten Tagen im alten Jahr gab es um Karlsruhe herum eine äußerst feine Eiskunst zu beobachten. Diese blieb drei Tage lang, auch tagsüber sichtbar, da kein Sonnenstrahl zu sehen und auch kaum Wind vorhanden war. Am ersten Tag waren die Reifnadeln am grazilsten. Später wurden die Eiskristalle größer und gröber. Im neuen Jahr war der Zauber dann vorbei. Ich möchte hier Bilder vom ersten Tag zeigen, die feingliedrigen Reifstrukturen waren wunderschön anzuschauen und die Landschaft schon beinah märchenhaft verändert. 

4x 18mm, f/8, 1/125s, ISO200
18mm, f/4, 1/800s, ISO800
600mm, f/6.3, 1/80s, ISO800
600mm, f/6.3, 1/160s, ISO1600
35mm, f/8, 1/100s, ISO400
600mm, f/6.3, 1/200s, ISO800
600mm, f/6.3, 1/320s, ISO800
18mm, f/8, 1/40s, ISO200
18mm, f/8, 1/50s, ISO800
300mm, f/4, 1/400s, ISO800
18mm, f/7.1, 1/125s, ISO400