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Freitag, 16. April 2021

ein ganz flacher Käfer...

...ist nicht nur vom Namen her Hololepta plana - der Abgeplattete Stutzkäfer, sondern er ist auch flach wie eine Briefmarke. Der gute acht Millimeter große Käfer lebt nämlich unter der Rinde verschiedener Baumarten, vor allem Pappeln und Weiden. Er und wahrscheinlich auch die Larven leben dort räuberisch und stellen anderen Insekten nach. Die Art ist in ganz Mitteleuropa zu finden im Süden ist sie häufiger als im Norden. 
Die erwachsenen Käfer sind ganzjährig zu finden. Sie halten sich tagsüber wie ihre Larven unter der Rinde kränkelnder oder toter Bäume auf. Nachts suchen die Käfer auch auf der Rindenoberfläche nach Beute. In warmen Nächten fliegen die Tiere und werden auch von Licht angezogen. 

Die fotografierten Tiere fand ich an einer großen umgestürzten Pappel in Karlsruhe.

Stack aus fünf Aufnahmen | Abbildungsmaßstab 3:1



Einzelaufnahme bei einem Abbildungsmaßstab 3:1  
10x Hololepta plana



Stack aus neun Aufnahmen | Abbildungsmaßstab 3:1

Freitag, 25. Dezember 2020

Der Körnerbock - Käfer der Nacht -

Viele Käfer sind nachtaktiv, daher sind sie auch teils schwer zu erfassen. Am Tag sind die Tiere dann einfach nicht auffindbar oder ihre Verstecke nur schwer zugänglich. Spannend ist es dann, wenn man nach einer nachtaktiven und zugleich sehr seltenen Art sucht und sie dann nach Jahren zum ersten mal gleich an verschiedenen Orten zu Gesicht bekommt. So ging es mir dieses Jahr mit dem Körnerbock. 
Der Körnerbock (Aegosoma scabricorne) ist eine unserer seltensten Bockkäferarten und zu gleich eine der größten. Mit guten fünf Zentimetern nach heimischen Maßstäben ein echter Riese. Eine sehr urtümlich anmutende Art die nur in den wärmsten Sommerabenden zu später Stunde unterwegs ist. Ein zufälliger Hinweis meiner Kollegin Evelyn die eine Nachricht einer Freundin erhielt, die meinte "was ist denn hier für ein Käfer an meine Hauswand geflogen" wies mich auf meinen ersten lebenden Körnerbock hin, den ich mir dann prompt anschauen musste. Einige Wochen davor suchte mein Kollege Florian und ich zusammen mit unserem Käferkumpel Claus vergeblich in der Nähe nach Tieren, fanden aber nur ein paar Flügeldecken und etliche Ausbohrlöcher. Durch den nun aktuellen Fund angetrieben machten wir uns auf, um nach der Art an einer ganz anderen Stelle zu suchen und wurden nun fündig und zwar in zweistelliger Anzahl. An zwei Abenden fanden wir ein gutes duzend Tiere. Ein Individuum flog uns sogar aufgrund unseres Taschenlampenlichts an. Wahnsinns Erlebnis!

Ein Körnerbock an einem Brutbaum
Ein Männchen in einem Ausbohrloch, vermutlich nutzte das Tier dies aber als Tageseinstand.
Portrait eines Männchens

Der Körnerbock ist mit dem deutlich weiterverbreiteten Sägebock und mit dem seltenen Mulmbock näher verwand. Alle drei Arten zählen zu den großen Arten und sind eindrucksvolle Tiere. Die Körpergröße des Körnerbocks liegt zwischen 28-50mm. Für Bockkäfer eher untypisch besitzen die Weibchen eine Legeröhre, die deutlich über die Flügeldeckenenden ragt. Die Männchen sind besonders an den Fühlern und dem Kopf mit feinen Körnchen besetzt, daher auch der Name. 

Weibchen im letzten Licht am Brutbaum
Weibchen am Brutbaum

Bei uns findet man die Art bis auf ganz wenige Ausnahmen nur in der Oberrheinebene und angrenzenden Gebieten zwischen Basel und Frankfurt. In Südeuropa ist die Art allgegenwärtig und keine Seltenheit. Da die in Deutschland bisherige Verbreitung deutlich klimatisch erklärbar zu sein scheint, könnte sie im Zuge der Klimaveränderung profitieren. Gleichwohl ist die Art auf absterbende Bäume oder alte Bäume mit absterbenden Partien angewiesen. Ein solches Vorhandensein in den Wäldern setzt eine ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft voraus. Bezüglich der Baumart sind die Tiere nicht wählerisch,  fast alle heimischen Laubbäume im richtigen Stadium können geeignete Wirtsbäume sein. Die Larven entwicklen sich innerhalb von drei Jahren zum Käfer. 
Die Art ist nach Bundesartenschutzverordnung streng und besonders geschützt.

Männchen mit Schlupfloch
Körnerbock im Taschenlampenlicht
Glücklicher Fund eines Tieres kurz vor Sonnenuntergang

Freitag, 11. Januar 2019

Strandfunde der letzten zwei Jahre

Die meisten Menschen verbinden mit Sandstränden baden, sonnen und rumliegen. In unseren letzten beiden Familienurlauben verschlug es uns zum einen an die Ostsee und zum anderen ans Mittelmeer. In beiden Fällen tat ich keins der oben beschriebenen Dinge, sondern begab mich mit der Kamera auf Entdeckungsreise. Denn besonders in Dünenabschnitten mit etwas Vegetation ist doch einiges an tierischem Leben unterwegs. Für die meisten unbemerkt krabbeln, fliegen oder graben viele Insekten, Krebse und andere Tiere im Lebensraum Sandstrand umher.
Für mich als jemand der nicht sehr häufig am Meer unterwegs ist, gab und gibt es hier viel zu entdecken:

150mm, f/8, 1/250s, ISO200
Wie z.B. diesen Gestreiften Pillendreher (Scarabaeus (Ateuchetus) laticollis) der hier eine Kotkugel eine kleine Düne versucht hochzurollen um sie danach einzugraben. Die Kugel dient als Nährboden für Pilze, die wieder rum die Larve des Käfers ernähren werden.
150mm, f/3.2, 1/1250, ISO400
Der Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) ist eine weitverbreitete Art, die in allen möglichen Lebensräumen auf Sandböden zu finden ist. In Rügen war ich auf der Suche nach dem sehr ähnlichen Küsten-Sandlaufkäfer (C. maritima) fand jedoch 'nur' die deutlich häufigere Art. 
150mm, f/13, 1/25s, ISO100
Der Sandohrwurm (Labidura riparia) ist weltweit verbreitet, in Europa ist er in den größeren Sandgebiete zu finden. Sowohl am Meer und Flüssen, aber auch in Binnendünen, Heiden und Abbaugebieten kann die Art gefunden werden.
150mm, f/8, 1/100s, ISO250
Der Feistkäfer (Pimelia muricata cf.) war an den Stränden der Camargue häufig anzutreffen. Ich beobachtete die Art, wie sie an verschiedenen trockenen Pflanzenresten fraß.
150mm, f/6.3, 1/125s, ISO50
Viele Individuen der Art waren meist recht scheu und dann sehr schnell unterwegs.
150mm, f/8, 1/400s, ISO250
Mit etwas Geduld konnte man sich aber an die Tiere annähern und sie dann fotografieren. Die Bestimmung dieser Art ist sehr schwierig und die taxonomische Stellung noch nicht abschließend geklärt.
150mm, f/8, 1/200s, ISO800
Im Namen des Dünengrasrüsslers (Philopedon plagiatum) steckt seine Nahrungsquelle. Gras fressen nämlich sowohl der Käfer wie auch seine Larve.  
150mm, f/5, 1/160s, ISO400
Jäger gibt es auf den Sandstränden viele, wie z.B. diesen Großkopf-Laufkäfer (Scarites sp.). 
150mm, f/8, 1/320s, ISO400
Lophyra flexuosa gehört zu den verbreiteten Sandlaufkäfern im westlichen Südeuropa.  Die Art ist nicht nur in den Küsten sondern auch entlang von Flüssen zu finden.
150mm, f/8, 1/160s, ISO800
Noch mal zum Vergleich der bereits oben beschriebene Dünensandlaufkäfer in Nahaufnahme. 
150mm, f/4, 1/800s, ISO640
Acrosathe annulata besitzt keinen deutschen Namen. Bei der Art handelt es sich um eine in Dünen und Sandgebieten häufig vorkommende Vertreterin der Familie der Stilettfliegen (Therevidae). Die Larven jagen im Boden andere Insekten.
150mm, f/8, 1/250s, ISO800
Säbel-Raubfliegen (Dysmachus trigonus) waren an einigen Standorten in den Dünen in Rügen in hoher Dichte anzutreffen. Ich beobachtete sie mit vielen unterschiedlichen Beutetieren, so wie hier mit einer Pelz-Glasflügelzikade (Tachycixius pilosus cf.). Es wurde aber auch auf Käfer und andere Fliegen (auch auf die vorher genannte Art) Jagd gemacht. 
150mm, f/4, 1/250, ISO200
natürlich sind auf den Sandstränden nicht nur Insekten unterwegs. Wie hier die Mittelmeer-Strandkrabbe (Carcinus aestuarii). Als Allesfresser kommen die Tiere mit vielen unterschiedlichen Nahrungsbedingungen klar.
150mm, f/8, 1/250, ISO200
Hin und wieder entdeckte ich auch ein paar Spinnen, aufgrund ihrer perfekten Tarnung übersah ich sicher viele Individuen. 

Freitag, 27. Juli 2018

Distelböcke in Südfrankreich

In diesem Jahr konnte ich gleich drei für mich neue Distelbock-Arten in Südfrankreich entdecken. Die Distelböcke sind eine mindestens 25 Arten umfassende Gruppe, die systematisch mehr oder weniger schwierig in eine oder mehr Gattungen aufgeteilt wird. In Deutschland ist nur eine Art verbreitet anzutreffen, der Distelbock oder auch Nesselbock (Agapanthia villosoviridescens) entwickelt sich in den Stengeln einer Vielzahl von Distelarten aber auch in anderen krautigen Pflanzen. 
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/3.5, 1/10s, ISO400
Eine der In Südfrankreich gefundenen Arten kann man auch in wärme begünstigten Gegenden Deutschlands finden, den Kleinen Distelbock (Agapanthia cardui). Er zeichnet sich durch einen weißen Nahtstrich auf den Flügeldecken aus und entwickelt sich in verschiedenen Distelarten. 
Die anderen beiden gefundenen Arten kann man in Deutschland momentan nicht finden. Auch wenn es ältere Fundmeldungen gab. Der eine wird Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli) genannt, weil er in Russland in Sonnenblumen schädlich werden kann. Er ist dem heimischen Distelbock recht ähnlich und entwickelt sich in vielen verschiedenen Pflanzenarten. Ich fand ihn ebenso wie den Kleinen Distelbock auf verschiedenen Distelarten.
Der dritte im Bunde entwickelt sich eher selten in (Ring)-disteln sondern ist an anderen Pflanzen zu finden. Ich fand den Violetten Distelbock (Agapanthia violacea) nur auf Roter Spornblume, dafür aber an vielen Stellen.
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/3.5, 1/400s, ISO800
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/100, ISO200
Die Distelböcke sind gute Beispiele für Arten die in der europäischen Kulturlandschaft gut zurecht kommen, es sind Arten die Pflanzen besiedeln die an Weg- oder Straßenrändern, an Böschungen oder Randstreifen zu finden sind und damit auch mal ein bisschen länger stehen bleiben, bevor sie gemäht werden. Im Zuge von Strukturverlusten in unserem Offenland durch Intensivierung, Ordnungssinn oder auch Flächenverbrauch sind es diese Arten die uns zusehends verloren gehen. 

Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/6.3, 1/4s, ISO400
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/5.6, 1/250s, ISO800
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/13, 1/10s, ISO800
Violetter Distelbock (Agapanthia violacea)
150mm, f/4, 1/640s, ISO800
Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/4, 1/20s, ISO200
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/80s, ISO800
Sonnenblumenbock (Agapanthia dahli)
150mm, f/4, 1/30s, ISO200

Kleiner Distelbock (Agapanthia cardui)
150mm, f/4, 1/20s, ISO400

Und zum Schluss gibt es noch ein kleines Video von der Szene, bei der auch das Bild ganz oben entstanden ist. Schön zu sehen, wie es sich der Kleine Distelbock schmecken lässt.


Donnerstag, 26. Oktober 2017

der Alpenbock

Da es nun schon seit Monaten hier im Blog nichts Neues mehr zu sehen gab, wird es  langsam wieder Zeit ein paar neue Posts zu zeigen.
Die Pause durchbrechen soll ein Käfer und zwar ein überaus auffälliger. Im letzten Jahr gab es im Adventskalender bereits ein Bild hier im Blog zu sehen, nun folgt ein weiterer Schwung an Bildern. An einem schwül warmen Spätsommertag nach längerem Suchen und dank eines entscheidenden Tipps fanden Benjamin und ich einige dieser Käfer auf der Schwäbischen Alb.

Männliches Tier
150mm, f/9, 1/3s, ISO400
Es gibt wenige so leicht erkennbare Käfer wie den Alpenbock (Rosalia alpina), schließlich ist er bis zu vier cm groß und er ist hell blau. Die blaue scheinbar auffällige Behaarung bietet dem Alpenbock auf der Rinde seines Brutbaums der Buche aber eine erstaunlich gute Tarnung. 

Lithografie aus Reitter - Fauna Germanica (1908)
"Rosalia alpina samt Larve und Puppenwiege im Buchenholze"



Seinen Namen trägt die Art ein bisschen zu unrecht, zwar ist der Käfer in den Buchenwäldern in und um die Alpen zu finden, insgesamt jedoch deutlich weiter verbreitet. Von Spanien über Mitteleuropa bis zum Kaukasus. Bei uns ist die Art stark an Buche gebunden, es werden aber auch andere Laubbaumarten genutzt. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes erweitert sich das Spektrum an Brutbaumarten stark. In Deutschland ist er nur in den Alpen und dessen Vorland sowie an wenigen Stellen der Schwäbischen Alb zu finden. 

18mm, f/5.6, 1/320, ISO400

150mm, f/5, 1/40s, ISO400
Die Entwicklung findet in absterbendem oder frisch totem Starkholz statt. In Mitteleuropa stehen oder liegen die Stämme, in denen sich die Larven zwei bis vier Jahre entwickeln, thermisch günstig und meist gut besonnt. Damit sich die Tiere mehrere Generationen im gleichen Holz entwickeln können, muss es mindestens einen Durchmesser von 50cm haben. Der Käfer selbst lebt maximal sechs Wochen und tritt bei uns im Sommer auf. 

150mm, f/8, 1/125s, ISO1250

Verbreitung in der EU27

150mm, f/14, 1/25s, ISO1600
Die Entwicklung in Starktotholz macht die Art natürlich anfällig gegen intensive Waldbewirtschaftung. In genutzen Wäldern wird nur selten solch großdimensioniertes Totholz im Wald belassen. Zumal es bei teilweise sehr kurzen Umtriebszeiten überhaupt kein Holz über 50cm Durchmesser gibt. Die Bestände der Art sind im gesamten Verbreitungsgebiet rückläufig. Neben seiner Auffälligkeit, war das wohl einer der Beweggründe gewesen sein, diese Art EU-weit unter Schutz zu stellen. Maßnahmen zum Erhalt dieser Art sind somit notwenig, wichtig und schützen nicht nur diese Art, sondern auch eine riesige Lebensgemeinschaft von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Schleimpilzen mit. In Deutschland werden schon in verschiedenen FFH-Gebieten Erhaltungsmaßnahmen für diese Art durchgeführt.

150mm, f/3.2, 1/80s, ISO800
150mm, f/5.6, 1/60s, ISO800
150mm, f/11, 1/50s, ISO1600
150mm, f/4, 1/320s, ISO1600