Sonntag, 1. Juli 2012

Hirschkäfer - Lucanus cervus

...oder auch Feuerschröter genannt, ist das Insekt des Jahres 2012. Dieser größte heimische Käfer ist in Deutschland fast ausschließlich eine Art der Eichenwälder. Die Larvalentwicklung findet in pilzbefallenem Eichenholz statt und dauert 5-8 Jahre. Einzelne Funde zeigen, dass sich die Käfer auch in anderen Holzarten entwickeln können, dies jedoch die Ausnahme darstellt, hier sind Buche, Weide, Schwarzpappel, Walnuß, Kirsche, Wildbirne, Esche, Roßkastanie, Linde, Ahorn, Birke und Kiefer zu nennen.
225mm | 1/4s | f/5 | ISO200 | Diffuser
Der Käfer kommt in Süd-, Mittel- und Westeuropa, nördlich bis in den Süden Schwedens vor. Lokal findet man sie auch in England, Kleinasien und östlich bis nach Syrien. Er fehlt in Schottland und in Bereichen Nordeuropas sowie in den südlichen Teilen Italiens, Spaniens sowie auf Sardinien und Korsika. In Deutschland ist die Art besonders in den wärmebegünstigten Regionen zu finden. Allerdings ist die genaue Verbreitung der Art noch Gegenstand vieler Untersuchungen und wird wohl in den kommenden Jahren einigen Veränderungen unterworfen sein. 
Verbreitung des Hirschkäfers in der EU25

Der Hirschkäfer ist flugfähig, aber kein guter Flieger. Er hat nur eine geringe Ausbreitungsfähigkeit und folglich nur geringe Fähigkeiten den Verlust von Brutplätzen zu kompensieren. Einzelne Tiere können aber auch Entfernungen bis 5 km überwinden.
Für die Samen- und Eireifung muss ein obligater Ernährungstrunk an alten Eichen mit Saftfluß erfolgen. Solche Bäume wirken über Gerbsäuren bis über 200 m anziehend. An diesen Bäumen kommt es daher oft zu größeren Ansammlungen der Tiere. Weibchen sind in der Lage, durch Anritzen der Eichenrinde Saftfluß hervorzurufen, die Männchen nicht. Männchen werden auch von gärendem Obst, besonders Kirschen, angezogen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch Ingwer sehr anziehend auf die Tiere wirkt.
Die Eiablage erfolgt unterirdisch, an Wurzelstöcken und alten Stümpfen, sowie an nicht imprägniertem, in Erdkontakt stehendem Eichenholz z.B. von Kinderspielplätzen und Bänken im Wald.

Weibchen - 225mm | 1/8s | f/8 | ISO100
Männchen - 225mm | 1/4s | f/4,5 | ISO400 | Diffuser
Damit das Holz für die Larven verwertbar ist, muss es einen bestimmten Zustand haben (pilzlicher Abbau, Säuregehalt, usw.). Eichenstöcke aus Winterfällung sind (völlig?) ungeeignet, da die Gerbsäure im Winter im Stock konzentriert, und daher die Substrataufbereitung durch Pilzbefall gehemmt ist. In einem Stumpf können sich mehr als 1000 Larven unterschiedlicher Stadien befinden.
Die Verpuppung erfolgt in etwa 15-20 cm Tiefe im Boden. Bei Entwicklung in morschen Pfählen und in Obstbäumen treten meist Kümmerformen ("ab. capreolus") auf. Die Weibchen erscheinen später als die Männchen.
225mm | 1/3s | f/13 | ISO100
225mm | 0,8s | f/16 | ISO100
Der Hirschkäfer ist in Deutschland seit 1935 gesetzlich geschützt und wird auf europäischer Ebene im Anhang II der FFH-Richtlinie geführt. In Deutschland wird die Art als stark gefährdet eingestuft. Bestandsrückgänge der imposanten Tiere können seit der vorletzten Jahrhundertwende verzeichnet werden. Beeindruckende Begegnungen an alten Eichen mit 150 Tieren an einem einzelnen Baum sind wohl nur noch in alten Büchern zu finden, Hauptmangel stellt die Verfügbarkeit des passenden Larvensubstrates dar. Häufig sind die passenden Eichen nur noch in Waldrelikten oder alten Parks zu finden. Durch die Intensivierung vieler Forste werden kränkelnde oder abgestorbene Bäume nicht toleriert und direkt entfernt. Auch die Zerschneidung von Waldgebieten fordert viele Kollisionsopfer.
Der Erhalt von alten Eichen in Wälder, Forsten und Parks sowie die Förderung von Eichen in den Wäldern schützt diesen einheimischen Käfer-Giganten vor dem Aussterben. 

225mm | 1/2s | f/8 | ISO200 | Diffuser

225mm | 0,6s | f/8 | ISO400 | Diffuser



Keine Kommentare:

Kommentar posten