Dienstag, 17. März 2015

Noch immer Schnee bei den Gämsen [geupdatet]

Während in der Rheinebene der Frühling beginnt, die Frühblüher schon lange draußen sind und die ersten Frösche ablaichen, liegt wenige Kilometer entfernt im Schwarzwald und den Vogesen teilweise noch richtig viel Schnee. Letzte Woche war ich mit Joachim nach einer spontanen Entscheidung in den Vogesen. Bereits 2013 waren wir dort hingefahren um Gämsen zu fotografieren. Ich schrieb damals auch einen Blogeintrag dazu: Die Geschichte von den Gämsen und den vier Fotografen.
Der Ausflug sollte auch aus technischer Sicht interessant werden, da mir mein Kumpel Benjamin das brandneue Sigma Sports 150-600mm F5-6.3 DG OS HSM für den Ausflug lieh. Das sollte dann auch die einzige Optik an dem Tag sein, die ich benutzte.
Wir fuhren also am frühen Morgen los um deutlich vor Sonnenaufgang dort zu sein. Je höher wir mit dem Auto fuhren umso mehr Schnee lag noch rum. Schließlich angekommen liefen wir los und sahen ein fantastisches Licht, leider ohne jede Gams.

150mm, f/5, 1/100s, ISO800
Nach einiger Suche fanden wir dann die ersten Tiere, allerdings schlecht zugänglich und nicht sehr gut freistellbar. Das beste Licht war auch schon durch -ärgerlich- aber sowas muss man einkalkulieren. 
Hier spielte die neue Sigma Linse gleich die Flexibilität eines Zooms aus. Erstaunlich wie gut das Objektiv bereits bei Offenblende arbeitet, zwar bei 600mm etwas schwächer aber immer noch sehr ordentlich.

250mm, f/6.3, 1/800s, ISO800
600mm, f/6.3, 1/500s, ISO800
100% Crop, LR-Entwicklung, moderate Schärfung
600mm, f/6.3, 1/500s, ISO800
unterwegs mit dem neuen Sigma Sports 150-600mm F5-6.3 DG OS HSM (Foto: Joachim Wimmer)
Joachim entdeckte wenig später zwei pittoresk am Felsen sitzende Gämsen, die zwar ziemlich weit weg waren, aber für ein paar nette Schattenrisse sollte das durchaus reichen. 
Auch hier machte das Sigmazoom eine gute Figur, leicht abgeblendet ist an der Randschärfe nichts zu bemängeln. 

600mm, f/8, 1/2000s, ISO800
600mm, f/9, 1/1600s, ISO200
Schneestrukturen
550mm, f/8, 1/2500s, ISO800
Allgegenwärtig waren Raben die immer wieder über uns drüber flogen und mit ihrem typischen und weit hörbarem Ruf auf sich aufmerksam machten. Eine tolle Art. Bemerkenswert war, dass bereits Wiesenpieper Vorort waren und in den schneefreien Bereichen Futter suchten und dieses auch fanden. 
Chromatische Aberrationen sind selbst am langen Ende des Sigmas nur in extrem Situationen bemerkbar, bei den fliegenden Raben vor blauem Himmel ist keine Spur davon zu sehen. Wie man am zweiten Wiesenpieperbild sieht, stellen leicht abgeblendet auch stärkere Crops für die Optik kein Problem dar. Prominent ist jedoch die Vignettierung besonders bei Offenblende, das lässt sich jedoch in der Nachbearbeitung gut in den Griff bekommen. 

Raben (Corvus corax)
600mm, f/8, 1/1600s, ISO800
100% Crop, LR-Entwicklung, moderate Schärfung
600mm, f/8, 1/1600s, ISO800
600mm, f/8, 1/4000s, ISO800
Wiesenpieper (Anthus pratensis)
600mm (900mm KB), f/9, 1/800s, ISO250
starker Crop auf ca. 6MP
600mm (900mm KB), f/9, 1/1000s, ISO250
Später in ziemlich schlechtem Licht fanden wir dann noch eine Gruppe von Gämsen, die wir einigermaßen ablichten konnten. So entstanden ein paar nette Bilder von den Tieren in ihrer winterlichen Umgebung und mit dichtem langem Fell. In den schneefreien Flächen suchten die Tiere immer wieder mal ein paar Halme und fraßen den ein oder anderen Ast von Gehölzen. 
Insbesondere der Autofokus zeigte sich in der Situation zuverlässig und schnell, selbst wenn die Tiere sich flott bewegten oder auch bei Überflügen von Vögeln saß der Fokus in den allermeisten Fällen optimal. Das Bokeh, welches bei Zooms häufig als eher negativ angemerkt wird, ist hier gut und es fällt keineswegs negativ auf. Jedoch wirkt es in manchen Situationen etwas unruhiger als das einer Festbrennweite.

600mm, f/9, 1/200s, ISO250

600mm, f/9, 1/500s, ISO400

600mm, f/8, 1/320s, ISO400

600mm, f/6.3, 1/160s, ISO400
Fokus auf der Nase bzw. dem hinteren Auge...
100% Crop, LR-Entwicklung, moderate Schärfung
600mm, f/6.3, 1/160s, ISO400

600mm, f/8, 1/160s, ISO400
Ein schöner Ausflug von dem wir zwar keine Fotohighlights mitbrachten, aber doch durchaus um einige Erlebnisse reicher wurden und uns klar wurde, dass wir unbedingt demnächst wieder hinfahren sollten.
Als Fazit kann ich noch zu dem neuen Sigmazoom sagen, dass der Bildstabilisator kaum hörbar hervorragende Ergebnisse liefert und er locker drei Blenden kompensiert. Verarbeitet ist die Optik annähernd perfekt, sie wirkt wertig und äußerst stabil, jeder Schalter und jedes Detail ist durchdacht. Eine super Idee ist der Lock-Schalter, welcher jede der markierten Brennweitenstufen blockieren kann und so auch ein arbeiten überkopf oder nach unten ermöglicht, ohne dass der Tubus rein oder raus fährt. Natürlich hat all die Solidität und Präzision der Optik ihren Preis, sowohl monetär wie auch im Gewicht. Preislich liegt das Zoom bei 2100 Euro, was natürlich eine ordentliche Stange Geld darstellt, aber für die gebotene Leistung durchaus vertretbar erscheint. Auch in Größe und Gewicht steht das Objektiv mit gut 3 kg einer lichtstarken Festbrennweite in nichts nach. Geschultert brachten das Gewicht und vor allem die Größe (knapp 50cm bei 600mm) allerdings meinen Kugelkopf (damals noch ein Novoflex MagicBall 50) an seine Grenzen. Gern hätte ich auch das Verhalten im Gegenlicht getestet, was jedoch aufrund fehlender Motive nicht klappte. Resümierend kann ich für mich sagen, dass ich dieses Objektiv in der nächsten Zeit anpeile und in meine zukünftigen Kaufüberlegungen mit einbeziehen werde.

Montag, 9. März 2015

Järripeippo...

...ist finnisch und bedeutet Bergfink (Fringilla montifringilla). Das ist die Schwesterart des in Deutschland deutlich bekannteren Buchfinks (Fringilla coelebs). Der Bergfink ist in Deutschland nur in absoluten Ausnahmen ein Brutvogel und ist im Sommer fast nicht bei uns zu finden. Aber in den Wintermonaten kann man die Art durchaus finden, u.a. an Winterfütterungen. Die Tiere überwintern in ganz Mittel- und Südeuropa. Das besondere ist, dass sich die Tiere zum Schlafen in größeren Trupps formieren um dann auf geeigneten Schlafbäumen zu nächtigen. Diese Gruppen können in manchen Jahren unvorstellbare Ausmaße von Millionen Tieren annehmen. In diesem Winter war es scheinbar günstig und die Tiere schienen auch die passenden Bedingungen vorzufinden, denn es gab aus mehreren Ecken Süd- und Mitteldeutschlands Meldungen von größeren Schlafgemeinschaften der besagten Art.
So begab es sich, dass ich Anfang des Jahres das erste mal mit Fotofreunden zu einem dieser Gebiete fuhr.

85mm, f5.6, 1/2000, ISO1600 
35mm. f/4.5, 1/1600s, ISO400
420mm (630mm KB), f/8, 1/640s, ISO800
Ein wirklich unglaublicher Anblick. Die ersten Tiere flogen etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang ein und es folgen dann immer mehr und immer mehr. Fotografisch eine äußerst schwierige Sache, da die ganze Situation etwa nur 1-1,5h lang ging, dann war es einfach zu dunkel. Dieses Schauspiel faszinierte mich so sehr, dass ich insgesamt, trotz größerer Entfernung, drei mal Vorort war. Die Bedingungen waren jedes mal sehr gut und ich konnte einige unterschiedliche Ideen verwirklichen, auch wenn mittlerweile doch noch einige Ideen in meinem Kopf sind, bin ich mit der Ausbeute nicht unzufrieden. Da ich bei jedem Besuch ein paar neue Ideen und Anregungen umsetzen konnte.  

300mm, f/5, 1/125s, ISO64
300mm, f/8, 1/50s, ISO100
blown away
300mm, f/5.6, 1/160s, ISO800
300mm, f/8, 1/200s, ISO500
Wie schon vorher geschrieben, formieren sich in manchen Jahren die Tiere zu riesigen Schlafgemeinschaften von Millionen von Tieren. Auch in dem von mir besuchten Gebiet gingen Schätzungen von 1-4 Millionen Individuen aus. Gründe für diese Massenansammlungen sind nicht abschließend geklärt. Klar ist, dass die Tiere tagsüber besonders Bucheckern fressen und ein gutes Buchenmastjahr ein solches Phänomen begünstigt. Schließlich müssen die Tiere im Umfeld ihres Schlafplatzes genügend Futter finden. Gefressen werden aber auch z.B. Fichtensamen und Mais. Reicht die Nahrung nicht mehr aus, ziehen die Tiere meist Richtung Süden weiter.

300mm, f/4, 1/80s, ISO1600
300mm (450mm KB), f/13, 1/30s, ISO800
300mm, f/16, 1/25s,  ISO100
300mm, f/5.6, 1/30s, ISO16000
300mm (450mm KB), f/8, 1/30s, ISO800
300mm (450mm KB), f/4.5, 1/800, ISO400
Zur Brutzeit ist die Art im nördlichen Teil Europas und Asiens zu finden. Dort fressen sie vorwiegend Insekten und brüten je nach klimatischer Situation ein bis zwei mal pro Jahr. Es heißt, dass die hiesigen Massenansammlungen aus Tieren der sibirischen Brutgebieten stammen.

300mm (450mm KB), f/32, 1/30s, ISO800

300mm, f/25, 1/30s, ISO800

300mm, f/8, 1/160s, ISO1600
300mm, f/16, 1/8, ISO50
300mm, f/4.5, 1/4s, ISO1600
300mm, f/4, 1/250, ISO4000
Mittlerweile sind die Tiere aus der Ecke verschwunden, vermutlich machen sie sich auf den langen Rückweg in ihre Brutgebiete Nordeuropas und -asiens. Eine wirklich beeindruckende Situation die ich noch lange im Kopf behalten werde und sicherlich, sollte sich die Chance nochmal ergeben, gern wieder fotografieren werde.